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Ökostrom-Zertifizierung — TÜV, ok-power, Grüner Strom Label im Vergleich

Redaktionell geprüft von Volodymyr Fursov

SEO & Energie-Vergleich

Ökostrom-Zertifizierung — TÜV, ok-power, Grüner Strom Label im Vergleich

Der deutsche Strommarkt ist für Ökostrom-Werbung fast berüchtigt: "100% Ökostrom" verspricht fast jeder Anbieter. Aber was steckt dahinter? Wie funktioniert das Herkunftszertifikat-System, und welche Labels sind wirklich glaubwürdig?

Die gute Nachricht: Es gibt echte Standards und unabhängige Siegel. Aber man muss wissen, worauf man achtet.

Was bedeutet "Ökostrom" rechtlich?

Ohne Label: "Ökostrom" ist nicht geschützt. Jeder darf das sagen. Die Grundregel ist im Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) verankert: Wer Strom als "Ökostrom" vermarktet, muss nachweisen, dass echte erneuerbare Erzeugung dahintersteckt. Das funktioniert durch Herkunftsnachweise (HKN).

HKN-System (Herkunftsnachweise):

  • Jede MWh Ökostrom aus Deutschland oder dem Ausland erhält einen digitalen HKN-Code.
  • Der Anbieter kauft diese Codes und "deckt" damit seinen Kundenstrom.
  • 1 HKN = 1 MWh Grünstrom irgendwo auf der Welt.
  • Reguliert durch die Bundesnetzagentur (ÜbergangsVO und EU-RL 2018/2001).

Das Problem: Technisch ist es völlig egal, ob dein Ökostrom von einer norwegischen Wasserkraft oder einer deutschen Windanlage kommt. Der HKN-Markt ist international und fragmentiert. Ein Anbieter könnte theoretisch norwegische HKNs kaufen (sehr billig, weil dort fast alles Wasser ist) und das als "deutschen Grünstrom" vermarkten.

Problem: Greenwashing durch HKN-Zertifikate aus Norwegen

Das ist die zentrale Kritik der Verbraucherschützer:

  1. HKNs aus Norwegen sind sehr billig. Weil Norwegen bereits 95% Wasserkraft hat, sind HKNs dort praktisch umsonst erhältlich. Ein deutsches Windrad braucht 20+ Jahre Betrieb, eine norwegische Wasserkraft läuft einfach immer.

  2. Der Effekt: Billige Stromanbieter (und auch manche größere) kaufen massenhaft norwegische HKNs, verkaufen den Strom als "100% Ökostrom" und untergraben damit die echte grüne Energiewende in Deutschland.

  3. Keine echte Wirkung: Wenn du "Ökostrom" mit norwegischen HKNs kaufst, förderst du nicht den Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland. Der Strom stammt nicht von einer neuen Anlage, die wegen deines Kaufs gebaut wurde.

Daher: Echte Ökostrom-Labels schreiben vor, dass ein Mindestanteil aus Neuanlagen stammen muss.

TÜV Süd/Nord Zertifizierung

TÜV Süd und TÜV Nord sind unabhängige Zertifizierer mit eigenen Ökostrom-Standards.

Standard „TÜV Süd EE01":

  • 100% Strom aus erneuerbaren Energien (über HKNs)
  • Mindestens 50% aus Anlagen, die nicht älter als 12 Jahre sind
  • Keine explizite Förderung für Neuanlagen
  • Nationale Anlagen bevorzugt, aber nicht streng gefordert

Standard „TÜV Nord EE01 Plus":

  • 100% Erneuerbar
  • Mindestens 40% aus Anlagen der letzten 6 Jahre
  • Explizite Förderung: Aufschlag auf HKN-Kauf für Neuanlagen

Anwendung:

  • Vattenfall (Power), eprimo (E.ON), viele weitere große Anbieter nutzen TÜV-Labels
  • Relativisch streng, aber nicht extremistisch
  • Glaubwürdigkeit: Mittel bis Gut. TÜV ist respektiert, aber der 12-Jahre-Schwellenwert ist nicht sehr restriktiv.

ok-power Label

ok-power wird von der Energievision e.V. vergeben — ein gemeinnütziger Verein, der von Umweltverbänden und Verbraucherschützern gegründet wurde.

Kriterien ok-power:

  • 100% Strom aus erneuerbaren Energien
  • Mindestens 30% aus Neuanlagen (gebaut in den letzten 6 Jahren bei Windkraft, 4 Jahren bei PV)
  • Explizite Förderung: 1 ct/kWh Aufschlag für Förderung neuer Anlagen (direkt in der Kalkulation sichtbar)
  • Transparenzbericht: Jahr für Jahr veröffentlicht, wo der Strom herkommt
  • Kein Einkauf von HKNs aus „Energie-Überschuss-Ländern" wie Norwegen (Priorisierung deutsche/europäische Anlagen)

Anwender:

  • LichtBlick (großer unabhängiger Anbieter)
  • Naturstrom (kleiner, spezialisiert)
  • Greenpeace Energy
  • Einige regionale Stadtwerke

Glaubwürdigkeit: Sehr hoch. ok-power ist das strengste reine Ökostrom-Label und wird von Umweltverbänden anerkannt.

Grüner Strom Label

Grüner Strom Label wird vom Bund der Energiewechsler e.V. und der Verbraucherzentrale NRW gemeinsam vergeben.

Kriterien Grüner Strom Label:

  • 100% Strom aus erneuerbaren Quellen
  • Mindestens 50% aus Neuanlagen (Windkraft 5 Jahre, PV/Wasserkraft 3 Jahre)
  • Gold-Zertifikat zusätzlich: 1 ct/kWh Aufschlag, davon mindestens 50% in neue Anlagen (Repowering oder Neubau)
  • Strenge Herkunfts-Kontrolle, keine skandinavischen HKNs als Hauptquelle
  • Unabhängige Audits und Vor-Ort-Kontrollen

Anwender:

  • Polarstern (München, spezialisierter grüner Anbieter)
  • Naturstrom (auch Gold)
  • Einige Stadtwerke (München, Bremen, Kiel)

Glaubwürdigkeit: Sehr hoch, oft als höchster Standard wahrgenommen. Besonders das Gold-Label ist streng.

EE01 — staatliches Label

EE01 ist ein offizielles staatliches Siegel des Bundesamtes für Energie (BfE) — eingeführt 2021, aber relativ unbekannt.

Kriterien EE01:

  • Ähnlich wie TÜV: 100% Erneuerbar, Altersgrenzwert
  • Weniger streng als ok-power/Grüner Strom Label
  • Hauptvorteil: Kostenlos für Anbieter, daher breiter adoptiert
  • Transparenzbericht

Glaubwürdigkeit: Mittel. Staatlich legitimiert, aber weniger bekannt und von Verbraucherschützern weniger empfohlen.

Vergleich der 4 Standards

| Kriterium | TÜV EE01 | ok-power | Grüner Strom | EE01 Staat | |---|---|---|---|---| | Mindestanteil Neuanlagen | 50% (12 Jahre alt) | 30% (6 J) | 50% (3–5 J) | Variabel | | Förderung pro kWh | Optional, nicht transparent | 1 ct/kWh Aufschlag | 1 ct/kWh (Gold) | — | | Herkunft-Fokus | International OK | Deutsch/EU-Fokus | Deutsch/EU-Fokus | — | | Unabhängigkeit | TÜV-Zertifizierer | Gemeinnützig (Verein) | Gemeinnützig + Verbraucherzentrale | Staat | | Verbraucherschutz-Empfehlung | Mittel | Sehr gut | Sehr gut | Gut | | Häufigkeit auf Markt | Hoch (große Anbieter) | Mittel (spezialisiert) | Mittel (spezialisiert) | Wachsend |

Fazit: Für echten Ökostrom-Impact: Grüner Strom Label > ok-power > TÜV > EE01.

Welcher Anbieter mit welchem Label?

Großanbieter:

  • Vattenfall (Power): TÜV Süd EE01 (Mittel-Glaubwürdigkeit)
  • E.ON (eprimo): TÜV Nord (Mittel)
  • Shell Energy (easyGreen): Kein Top-Label, eher auf HKN-Basis

Spezialisierte Öko-Anbieter:

  • LichtBlick: ok-power (Sehr glaubwürdig, +1 ct/kWh für Neuanlagen)
  • Naturstrom: ok-power + Grüner Strom (Sehr glaubwürdig, kleinster Anbieter, höchste Preise)
  • Polarstern: Grüner Strom Label Gold (Sehr glaubwürdig, auch faire Strompreise)
  • Greenpeace Energy: ok-power (Sehr glaubwürdig)

Stadtwerke:

  • München, Bremen, Kiel, Hamburg: meist Grüner Strom oder ok-power
  • Andere: variabel, oft TÜV oder EE01

Beispiel: Was kostet echter Ökostrom?

Vergleich für Berlin, 3.000 kWh/Jahr, Singlehaushalt (April 2026):

| Anbieter | Label | Grundpreis | Arbeitspreis | Jahreskosten | |---|---|---|---|---| | Vattenfall Power | TÜV EE01 | 11,50 EUR | 32,5 ct/kWh | 988 EUR | | Naturstrom | ok-power | 12,80 EUR | 35,0 ct/kWh | 1.062 EUR | | Polarstern | Grüner Strom Gold | 11,00 EUR | 36,5 ct/kWh | 1.100 EUR | | LichtBlick | ok-power | 12,00 EUR | 34,2 ct/kWh | 1.026 EUR | | Verivox-Schnitt (keine Spezial-Label) | Mixed | 11,20 EUR | 31,8 ct/kWh | 966 EUR |

Beobachtung: Echter Ökostrom mit Top-Label kostet 50–150 EUR/Jahr mehr als Durchschnitt. Das ist das "Förder-Aufschlag" für echte Neuanlagen.

Häufige Fragen

F: Kann ich mit einem ok-power-Tarif wirklich Wind-Neuanlagen finanzieren? A: Ja, mindestens die 1 ct/kWh gehen direkt in ok-power-Förder-Fonds für Neubauten. Das ist transparent veröffentlicht.

F: Nutzen große Anbieter Greenwashing-HKNs? A: Teils. Vattenfall und E.ON verwenden TÜV-Label (nicht das strengste), aber auch größere Neuanlagen-Quoten als zertifiziert. Billige No-Name-Anbieter eher nicht.

F: Kann ich Grüner Strom Label auch bei Discountern finden? A: Sehr selten. Polarstern ist auf Grüner Strom spezialisiert, aber (teuer). Stadtwerke bieten es regelmäßig.

F: Ersetzt das Label Energiewende-Engagement? A: Nein, es ergänzt nur. Ein gutes Label + lokale PV-Installation ist das beste Ökostrom-Konzept.

Quellen


Stand der Daten: 28.04.2026. Ökostrom-Labels und Anbieter-Zertifizierungen ändern sich regelmäßig. Prüfe aktuelle Labelzertifikate auf der Anbieter-Website.

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Affiliate-Disclosure: Dieser Artikel enthält Affiliate-Links zu tarifcheck.web-skyline.com. Bei Vertragsabschluss erhalten wir ggf. eine Vermittlungsprovision. Für dich entstehen keine Mehrkosten. Die Informationen basieren auf öffentlichen Quellen und Daten Stand 04/2026.

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