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Heizstrom & Wärmepumpentarif — wann lohnt sich der Sondertarif?

Redaktionell geprüft von Volodymyr Fursov

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Heizstrom & Wärmepumpentarif — wann lohnt sich der Sondertarif?

Wärmepumpen sind die Zukunft der Wohnheizung — doch diese Geräte verbrauchen deutlich mehr Strom als ein klassischer Gasboiler. Um Haushalte mit Wärmepumpen zu unterstützen, bieten Stromanbieter spezielle Heizstrom-Tarife an, die deutlich günstiger sind als normaler Haushaltsstrom. Diese Tarife haben aber eine zentrale Voraussetzung: einen separaten Zähler und die Möglichkeit zur Fernsteuerung.

Was ist Heizstrom?

Heizstrom ist Strom für Heizungsanlagen, Warmwasserboiler, Nachtspeicherheizungen und neuerdings auch Wärmepumpen. In Deutschland werden diese Verbraucher traditionell mit separaten Zählern und günstigeren Tarifen abgerechnet — ein Relikt aus Zeiten, als Stromnetzbetreiber nachts Überkapazitäten hatten und diese gezielt abgeben wollten.

Der Preisvorteil ist beträchtlich:

  • Haushaltsstrom (normaler Tarif): ca. 35–42 ct/kWh (April 2026)
  • Heizstrom-Tarif: ca. 20–28 ct/kWh (ca. 7–14 ct/kWh Rabatt)

Das bedeutet für eine Wärmepumpe mit 5.000 kWh/Jahr:

  • Haushaltsstrom: 1.750–2.100 Euro
  • Heizstrom-Tarif: 1.000–1.400 Euro
  • Ersparnis: 350–750 Euro/Jahr

Diese Ersparnis ist so bedeutend, dass viele Wärmepumpen-Besitzer ihre ganze Planung danach richten.

Voraussetzungen: separater Zähler + steuerbare Verbrauchseinrichtung

Damit der Heizstrom-Tarif funktioniert, brauchst du:

1. Separater Zähler für die Heizung

Deine Wärmepumpe muss auf einem eigenen Stromzähler laufen. Dieser wird von deinem Netzbetreiber installiert und separat abgerechnet.

Kosten für zusätzlichen Zähler:

  • Installation: ca. 300–800 Euro (einmalig)
  • Jährliche Zähler-Gebühr: ca. 40–80 Euro
  • Hinzukommt: Separate Netzentgelt-Berechnung (kann höher/niedriger sein als Haushaltsnetz, je nach Bundesland)

2. Steuerbare Verbrauchseinrichtung (§14a EnWG)

Seit der §14a-Reform (Energiewirtschaftsgesetz, gültig seit Januar 2024) kann dein Netzbetreiber die Wärmepumpe ferngesteuert drosseln oder abschalten — bis zu 3 Stunden pro Tag. Das ist die Gegenleistung für den günstigen Tarif.

Praktisch bedeutet das:

  • Der Netzbetreiber kann deine WP z.B. zwischen 12–15 Uhr abschalten, wenn Netzspitzen drohen
  • Deine Heizung/Warmwasser wird kurzzeitig unterbrochen
  • Moderne WP-Speicher (Puffer-Tank) gleichen das meist aus — du merkst nichts

Die Abschaltung ist legal und erlaubt, aber muss vorher mitgeteilt werden. Mit moderner Speichertechnik ist das selten ein Problem.

Wer profitiert von Heizstrom-Tarifen?

Heizstrom-Tarife lohnen sich für:

Optimal: Wärmepumpen mit Puffer-Tank

  • Wasser-Wasser-WP, Luft-Wasser-WP, Erdbauer-WP
  • Mit integriertem Warmwasser-Speicher (mind. 100–150 Liter)
  • Der Speicher puffert Abschaltungen ab — du merkst keine Unterversorgung

Gut: Elektrische Warmwasser-Boiler / Nachtspeicher

  • Auch ohne WP lohnt sich ein Heizstrom-Tarif für dedizierte Warmwasserbereitung
  • Nachtspeicher-Heizungen profitieren stark (wurden dafür jahrzehntelang entwickelt)

Bedingt: Hybrid-Wärmepumpen

  • WP mit Gas-Heizer als Backup: Komplexer, aber möglich
  • Wenn die Gas-Komponente groß ist, nimmt der Vorteil ab

Nicht sinnvoll: Reine Luft-Luftwärmepumpen ohne Speicher

  • Viele Klimageräte/mobile WP haben keinen Warmwasser-Speicher
  • Fernabschaltung könnte problematisch sein — die WP kann nicht heizen und hat keinen Puffer

Die §14a EnWG Reform — was sich 2024 geändert hat

Im Januar 2024 trat eine grundlegende Reform in Kraft:

Vorher (bis 2023): Heizstrom-Tarife waren optional und variabel. Manche Netzbetreiber boten sie an, manche nicht.

Nachher (ab 2024):

  • Netzbetreiber müssen Heizstrom-Tarife mit Fernsteuerung anbieten
  • Die Fernsteuerung ist begrenzt auf max. 3 Stunden/Tag
  • Die Ersparnis muss mindestens die Fernsteuerungskosten kompensieren
  • Der Angebot ist transparent und mit technischen Vorgaben definiert

Praktische Folge: Wärmepumpen-Besitzer haben jetzt deutlich mehr Wahlmöglichkeiten. Der Markt ist transparenter geworden. Die Ersparnis ist zuverlässiger.

Beispielrechnung: 4-Personen-Haushalt mit Luft-Wasser-WP

Daten:

  • Wärmepumpe: Luft-Wasser-WP, 5 kW, mit 200L Speicher
  • Jahres-Wärmebedarf: 15.000 kWh Heizwärme
  • JAZ (Jahresarbeitszahl): 3,0 → Strombedarf: 5.000 kWh/Jahr
  • Haushalt sonst: 3.000 kWh (Kochen, Beleuchtung, Elektrogeräte)
  • Region: Nordrhein-Westfalen

Szenario A: Alles auf Haushaltsstrom

  • Gesamt-Verbrauch: 8.000 kWh
  • Haushaltsstrom-Tarif: 39 ct/kWh (inkl. Netzentgelt, Abgaben)
  • Jährliche Kosten: 8.000 × 39 ct = 3.120 Euro

Szenario B: WP auf Heizstrom-Tarif, Rest auf Haushaltsstrom

  • Haushalt-Strom: 3.000 kWh × 39 ct = 1.170 Euro
  • Heizstrom-WP: 5.000 kWh × 22 ct/kWh (Sondertarif) = 1.100 Euro
  • Zusätzliche Zähler-Gebühr: 60 Euro/Jahr
  • Ggf. höhere Netzentgelt für Heizstrom-Zähler: 50 Euro
  • Jährliche Kosten: 1.170 + 1.100 + 60 + 50 = 2.380 Euro
  • Ersparnis: 3.120 − 2.380 = 740 Euro/Jahr

Bei einer WP-Amortisation von ca. 20–25 Jahren amortisiert sich die separate Zähler-Installation (ca. 500 Euro) in weniger als einem Jahr durch die Heizstrom-Einsparung.

Steuerliche Aspekte — Vereinfachungsregelung 2023

Seit 2023 gelten vereinfachte Steuerregeln für Wärmepumpen:

  • Umsatzsteuer: 0 % auf Installation (statt 19 %) — ein großer Kostenvorteil
  • Einkommensteuer: Keine Steuerpflicht auf die "Einsparung" durch günstigere Tarife (das ist nicht Einkommen)
  • KfW-Förderung: Wärmepumpen bekommen bis zu 70 % Zuschuss bei korrekter Förderklasse (KfW 319/320)

Diese Förderung macht Wärmepumpen in Kombination mit Heizstrom-Tarifen sehr attraktiv.

Kombination mit anderen Tarifoptionen

Für optimale Gesamtkostenersparnis kannst du auch mehrere Tarif-Komponenten kombinieren:

Heizstrom + Haushaltsstrom Splitten

Ein Haushalt könnte aufteilen:

  • Heizstrom-Zähler: Nur die Wärmepumpe und Warmwasser-Boiler → günstiger Heizstrom-Tarif (22–28 ct/kWh)
  • Haushalt-Zähler: Küche, Beleuchtung, Entertainment, Geräte → Standardtarif (35–42 ct/kWh)

Diese Split-Strategie ist üblich und vom Gesetz vorgesehen. Der Netzbetreiber kümmert sich um die technische Trennung (zwei Zähler), du kümmerst dich um zwei separate Stromversorger-Verträge (müssen nicht derselbe Anbieter sein).

Heizstrom + HT/NT Tarifmodell

Manche Anbieter kombinieren auch:

  • Heizstrom mit HT/NT: Der Heizstrom-Tarif hat auch eine kleine HT/NT-Differenzierung (nachts nochmal 2–3 ct günstiger)
  • Haushalt mit Dynamik: Der Haushaltsstrom könnte auf einem dynamischen Tarif laufen (für flexible Nutzung)

Häufige Fragen

F: Was passiert, wenn der Netzbetreiber die WP für 3 Stunden abschaltet?

A: Mit modernem Speicher merkst du meist nichts. Der Speicher-Tank hält die Temperatur. Im Winter kann die Temperatur um 2–3°C sinken — das ist in den meisten Häusern mit Fußbodenheizung oder Radiator-System nicht spürbar. Bei mehrfachen Abschaltungen am selben Tag kann es knapp werden — das ist aber rechtlich limitiert auf max. 3 Stunden täglich.

F: Kann ich einen Heizstrom-Tarif auch ohne Wärmepumpe nutzen?

A: Ja — auch für Warmwasser-Boiler, Nachtspeicher-Heizungen oder induktive Kochfelder (die als "kontrollierbare Verbrauchseinrichtung" klassifiziert sind). Die Anforderung ist ein separater Zähler und die Fernsteuerungsmöglichkeit. Besonders alte Nachtspeicher-Heizungen profitieren massiv — diese Geräte wurden jahrzehntelang speziell für günstige Nachtstrom-Tarife entwickelt und nutzen Heizstrom-Modelle optimal.

F: Gibt es Heizstrom-Tarife für Hybrid-Systeme (Gas + WP)?

A: Ja, aber mit Komplexität. Der Gas-Anteil wird nicht subventioniert und läuft über einen separaten Gas-Tarif. Wenn deine Hybrid-Anlage aber zu 70+ % mit WP läuft und ein ausreichend großer Puffer-Tank vorhanden ist, lohnt sich ein Heizstrom-Tarif für die WP-Komponente durchaus — meist in Kombination mit Haushaltsstrom für den Rest.

F: Was kostet die Installation eines separaten Zählers?

A: Ca. 300–800 Euro, abhängig davon, wie weit die WP vom Hauptzähler entfernt ist. Manche Netzbetreiber übernehmen einen Teil der Kosten. Die genaue Summe variiert nach Region und Infrastruktur-Aufwand. Es lohnt sich immer wirtschaftlich — die Einsparung amortisiert die Kosten in unter einem Jahr, oft schon in 6–8 Monaten bei moderaten Tarif-Differenzen.

F: Kann jeder Stromversorger Heizstrom-Tarife anbieten?

A: Der Netzbetreiber (nicht der Stromversorger) muss das Infrastruktur bereitstellen. Der Stromversorger (dein Lieferant) kann dann Heizstrom-Tarife darauf anbieten. In der Praxis: frag deinen lokalen Netzbetreiber, ob er einen Heizstrom-Tarif anbietet — meist gibt es einen oder mehrere.

Quellen


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